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01.11.2017 | 08:00 Uhr

Opioid-Abhängigkeit: Notstand in USA ausgerufen - In Deutschland derzeit kein Gesundheitsnotstand aufgrund von Opioid-Abhängigkeit zu befürchten

Berlin (ots) - Vor wenigen Tagen hat der amerikanische Präsident
Donald Trump angesichts einer drastischen Zunahme von
Opioid-Abhängigen in den USA einen Gesundheitsnotstand erklärt. Die
New York Times veröffentlichte bereits im Juni 2017 Daten, nach denen
im Vorjahr ca. 65 000 US-Bürger an einer Drogenüberdosis starben.
Damit übersteigt die Zahl der Drogentoten diejenigen, die im
Straßenverkehr oder aufgrund von Herzerkrankungen oder HIV
starben.(1) In Deutschland sei aktuell kein Gesundheitsnotstand
aufgrund von Opioid-Abhängigkeit zu befürchten, erklärt dazu die
Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V. (DGS). Die gesetzlichen
Regelungen sowie die vorhandenen Leitlinien zum Einsatz von Opioiden
verhinderten in den meisten Fällen die Entwicklung einer
Abhängigkeit.

"Der Einsatz von Opioiden in Deutschland ist weitestgehend
unproblematisch", so Dr. Oliver Emrich, Vizepräsident der Deutschen
Gesellschaft für Schmerzmedizin. "Schmerzpatienten hierzulande
erhalten in der Regel nur dann Opioide, wenn die strengen Regeln der
Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung (BtmVV) und des
Betäubungsmittelgesetzes (BtmG) eingehalten werden." Lediglich bei
ca. 1-3 Prozent der mit Opioiden behandelten Schmerzpatienten kommt
es trotz Einhaltung aller Vorsichtsmaßnahmen zu
Abhängigkeitssymptomen unter der Behandlung mit Opioiden.(2)

USA: Opioide oft ohne Kontrollen

Ein Controlling von Schmerzpatienten unter Opioiden gibt es in den
USA bislang kaum. Amerikanische Ärzte verschrieben immer größere
Mengen an Opioiden, ohne deren Wirkungen und unerwünschte Wirkungen
wie die Auslösung eines Suchtverhaltens ausreichend zu prüfen. Die
2016 publizierten Leitlinien des Centers for Disease Control and
Prevention (CDC) mahnen zwar enge, zum Teil wöchentliche
Wirkungs-Nebenwirkungs-Kontrollen einer Schmerzbehandlung mit
Opioiden an, finden aber wenig Beachtung unter den Ärzten.(3)

Grundsätzlich bergen Opioide ein hohes Potenzial der
Suchtstoffabhängigkeit, vor allem gerade auch dann, wenn sie
gespritzt oder unretardiert eingenommen werden. Eine unretardierte
Applikation führt zu hohen Rezeptorschwankungen der Opioide an den
Opioidrezeptoren. Diese Schwankungen wiederum können zu Abhängigkeit
im Sinne einer übermäßigen Erwartung der Applikation führen.
Wissenschaftliche Auswertungen und die Empfehlungen aller
Fachgesellschaften in Deutschland legen daher nahe, Opioide streng
indikationsbezogen, retardiert, niedrig dosiert, zeitlich begrenzt
und kontrolliert einzusetzen.(2) Nicht retardierte Opioide, ein laxes
Monitoring und eine unzureichende Prä-Anamnese der Patienten, die
Opioide nehmen, erhöhen das Risiko einer Suchtstoffabhängigkeit.

"In Deutschland besteht derzeit kein Anlass, einen Notstand
bezüglich der Opioid-Praxis zu beklagen", so das Fazit von Emrich.
"Wir haben hierzulande erheblich bessere und stringentere
Behandlungsregeln sowie gesetzliche Regelungen, um eine so fatale
Entwicklung, wie wir sie in den USA sehen, wirkungsvoll zu
verhindern."

Quellen:
1. http://ots.de/nwEMH
2. nach http://ots.de/IoMhn
3. CDC Guideline for Prescribing Opioids for Chronic Pain - United
States, 2016, Recommendations and Reports / March 18, 2016 /
65(1);1-49)

Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS) e.V.

Die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS) e.V. ist mit
rund 4.000 Mitgliedern die größte Gesellschaft praktisch tätiger
Schmerztherapeuten in Europa. Sie setzt sich für ein besseres
Verständnis und für bessere Diagnostik und Therapie des chronischen
Schmerzes ein. Bundesweit ist sie in rund 125 regionalen
Schmerzzentren organisiert, in denen interdisziplinäre
Schmerzkonferenzen veranstaltet werden. Oberstes Ziel der DGS ist die
Verbesserung der Versorgung von Menschen mit chronischen Schmerzen.
Dies kann nur durch die Etablierung der Algesiologie in der Medizin
erreicht werden. Dazu gehört die Qualitätssicherung in der
Schmerzmedizin durch die Etablierung von Therapiestandards sowie die
Verbesserung der Aus-, Fort- und Weiterbildung auf den Gebieten der
Schmerzdiagnostik und Schmerztherapie für Ärzte aller Fachrichtungen.
Um die Bedürfnisse von Patienten noch besser zu verstehen, arbeitet
die DGS eng mit der Patientenorganisation Deutsche Schmerzliga (DSL)
e.V. zusammen.



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