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10.08.2018 | 20:00 Uhr

Neue Westfälische (Bielefeld): Debatte um Geld für Kinder im Ausland Reines Sommerloch-Theater Lothar Schmalen

Bielefeld (ots) - Mitten in das politische Sommerloch platzt die
vermeintlich skandalträchtige Nachricht: Immer mehr Kindergeld fließt
ins Ausland. Am stärksten zugenommen hat die Zahl der Empfänger aus
Osteuropa. Als dann das Thema von leichtfertigen Oberbürgermeistern -
die übrigens für die Zahlung von Kindergeld gar nicht zuständig sind
- mit Missbrauch von Sozialleistungen und kriminellem Sumpf in
Verbindung gebracht wird, ist das Aufregerthema angerichtet. Dass
ausgerechnet der sozialdemokratische Oberbürgermeister aus Duisburg,
Sören Link, an der Spitze dieser aufgeregten Debatte marschiert,
wirft kein gutes Licht auf ihn. Sachlichkeit fällt in Deutschland
inzwischen schwer, wenn es um Flüchtlinge oder Ausländer geht.
Deshalb seien hier ein paar Hinweise zur Einordnung der Fakten
erlaubt, die der aufgeregten Diskussion zu Grunde liegen. Knapp
270.000 Kinder im europäischen Ausland (darunter übrigens auch 31.000
Kinder mit deutscher Staatsangehörigkeit) erhalten Kindergeld vom
deutschen Staat, das sind rund 25.000 mehr als im Vorjahr. Zum
Vergleich: Insgesamt zahlt der deutsche Staat Kindergeld für 15
Millionen Kinder. Insgesamt flossen 2017 343 Millionen Euro für
Kinder im Ausland. Zum Vergleich: Der Staat zahlte knapp 36
Milliarden Euro Kindergeld aus. Damit flossen im vorigen Jahr weniger
als ein Prozent der Kindergeldzahlungen ins Ausland. Die allermeisten
der Bezieher von Kindergeld für Kinder im Ausland sind übrigens nicht
Sinti und Roma aus Bulgarien, sondern Arbeitnehmerinnen und
Arbeitnehmern aus Polen, gefolgt von Tschechien, Kroatien und
Rumänien. Dass es unter den Beziehern einige Betrüger gibt, gehört
zur Wahrheit. Selbstverständlich muss ihnen das Handwerk gelegt
werden. Es sind nicht die Kindergeldzahlungen ins Ausland, die über
unseren künftigen Wohlstand entscheiden. Ein viel entscheidenderes
Problem dürfte der Facharbeitermangel sein. Deutschland braucht
dringend eher mehr denn weniger qualifizierte Fachkräfte aus dem
Ausland. Dass viele von ihnen Kinder zu Hause haben, verwundert
nicht. Wir sollten das Aufregerthema Kindergeld für ausländische
Kinder als das betrachten, was es ist: reines Sommerloch-Theater.



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Neue Westfälische
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