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04.05.2021 | 19:21 Uhr

Getriebene / Kommentar von Christoph Cuntz zum NSU 2.0-Fahndungserfolg

Mainz (ots) - Auf dem Höhepunkt der NSU2.0-Affäre waren Drohmails scheinbar im Stundentakt bekannt geworden. Es gab kaum einen Prominenten, der nicht eine solche Mail bekommen hatte. Manch einer wurde durch die Drohmail erst prominent. Und wer keine bekommen hatte, schien nicht prominent zu sein. Mit jeder weiteren Mail war die Polizei, vor allem die hessische, ein Stück mehr in Verdacht geraten, weil an ihren Computern persönliche Daten einzelner Adressaten abgefragt worden waren, ohne dass es hierfür einen dienstlichen Anlass gegeben hätte. Der Medien-Hype um die Drohmails, den es auch deshalb eine Zeit lang gab, muss dem Verfasser dieser Drohbotschaften eine Genugtuung gewesen sein. Vor allem aber hat der Hype Politiker nervös gemacht und den Jagdeifer bei Journalisten angespornt. Es hat Artikel gegeben, in denen ein Polizist, den die Autoren bis vor die Haustür verfolgt hatten, als mutmaßlicher Täter angeprangert wurde. Das war nicht nur Fake News. Das war auch Wasser auf die Mühlen des Drohmail-Schreibers. Der ist offenbar Rechtsextremist und hat sich über jede Spekulation gefreut, in der Polizei gebe es ein rechtsextremes Netzwerk. Auch um diesem Verdacht nachzugehen, hat die Polizei einen immensen Aufwand betrieben. Stand heute wissen wir nicht, ob jener 53 Jahre alte Mann, der jetzt in Berlin verhaftet wurde, der Täter ist, der bei so vielen für Angst und Schrecken gesorgt hat. Aber wenn der Tatverdacht gegen ihn am Ende für eine Anklage reicht, steht zu befürchten, dass der Aufwand der Ermittler in keinem Verhältnis zu dem Strafmaß stehen wird, das er zu erwarten hat.

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